Mehr als nur ein schiefer Schweif ?

 

Jeder hat bestimmt schon einmal ein Pferd gesehen, welches den Schweif abgestellt zur Seite oder gar rotiert trägt. Im Folgenden möchte ich euch die Ursache und die Auswirkung eines schiefen Schweifs näher erklären.

 

Die Hintergliedmaße ist über das Kreuzdarmbeingelenk (ISG) an der Wirbelsäule aufgehangen. Dieses Gelenk wird vom Sacrum (Kreuzbein) und der Darmbeinschaufel des Beckens gebildet.

 

Die Schweifwirbel – und damit auch der Schweif – schließen an das Kreuzbein an; folglich löst eine Stellungsveränderung des Kreuzbeins oft auch eine Schiefe des Schweifs aus.

 

Allerdings möchte ich betonen, dass ein schiefer Schweif nicht immer vom Kreuzbein kommen muss. Eine einseitig verspannte Sitzbeinmuskulatur hat z.B. auch Auswirkung auf die Schweifhaltung, da diese Muskeln ebenfalls an den Schweifwirbeln ansetzen !

Außerdem haben bestimmte Rassen (z.B. Araber) auch eine „andere“ Schweifhaltung, die nicht pathologisch sein muss !

Quelle: 3D Horse Anatomy
Quelle: 3D Horse Anatomy
Quelle: 3D Horse Anatomy
Quelle: 3D Horse Anatomy

Wie man im Bild oben sehr gut sehen kann, liegen die Beckenknochen dem Kreuzbein auf. Durch die Abbildung wird klar, dass Probleme mit dem Sacrum auch unweigerlich Auswirkung auf den Schweif, die gesamte Wirbelsäule aber auch auf die Gliedmaße haben können. Hebt das Pferd das rechte Hinterbein an, wird auch die rechte Seite des Sacrums angehoben.

Nehmen wir nun einmal an, dass der rechte Flügel des Sacrum abgesenkt ist (durch z.B. eine verkürzte/verspannte Rückenmuskulatur rechts), wird auch die rechte Seite des Beckens weiter unten und die linke Seite weiter oben stehen (da das Becken vom Sacrum „mitgenommen“ wird). Daraus ergibt sich:

  1. das rechte Bein wird scheinbar länger und wird vermehrt unter den Körperschwerpunkt gestellt.
  2. Auswirkung auf die Wirbelsäule: Da die Gelenkfläche, die das Sacrum mit den Lendenwirbeln bildet durch eine Verschiebung des Kreuzbeins ebenfalls verändert wird, wird auch die Wirbelsäule mit der Zeit in die gleiche Richtung rotieren; hiervon sind sowohl Lenden- und Brustwirbel, als auch Schweifwirbel betroffen. Das Phänomen „schiefer Schweif“ entsteht.

Was kann das Ganze nun für „spürbare“ Folgen haben ?

  1. Das Pferd trägt den Schweif nicht mittig und entspannt.

  2. Auf Dauer enstehen Rittigkeitsprobleme: Durch die Rotation der Wirbelsäule ist es dem Pferd nicht mehr möglich sich in die entgegengesetzte Richtung zu biegen. Wenn diese Läsion länger besteht, kann sie schließlich Auswirkung auf den Atlas(1. Halswirbel) haben. Ein blockierter Atlas führt u.A. dazu, dass das Pferd die geforderte Stellung nicht mehr ausführen kann; es beginnt sich zu verwerfen.

Nun fragt man sich natürlich, wie kann es zu einer Läsion im Sacrum kommen?

Dies kann viele Ursachen haben. Um nur einige zu nennen:

  • unpassender Sattel → dadurch Druck auf Rückenmuskulatur die verspannt und Sacrum „krumm zieht“

  • Blockade durch Vertreten → vertritt sich das Pferd, spannt die knochennahe Muskualtur an, um den Organismus zu schützen; bleibt diese Spannung erhalten „blockiert“ sie das Gelenk

  • Blockade in der Gliedmaße → durch eine Blockade in einem Gelenk der Gliedmaße (Fesselgelenk, Sprunggelenk usw.) wird die Stellung der Gelenkflächen verändert, die sich bis zum ISG nach oben schieben kann

Wenn euer Pferd also den Schweif schief trägt, könnte eine Behandlung notwendig sein !

 

 

© Equimedica Pferdephysiotherapie Nicole Sablotny, NOV 2017

Alle Inhalte dieses Werkes, insbesondere Texte sind urheberrechtlich geschützt. Bitte fragen Sie mich, falls Sie die Inhalte dieses Internetangebotes verwenden möchten.