Gegner oder Befürworter

In einem Beitrag vor ein paar Wochen habe ich ja schon einmal darüber geschrieben, dass es gerade im Pferdebereich eine starke "Lagerbildung" gibt. 

Ich möchte an dieser Stelle mal erwähnen, dass es bei mir nicht um eine bestimmte Meinung geht. Ich versuche immer die bestmögliche, auf das Pferd angepasste Therapie in die Wege zu leiten.

(Ich muss versuchen mich kurz zu fassen und habe einfach mal ein paar Beispiele herausgepickt.)

Allerdings habe ich jetzt schon ein paar Kunden gehabt, die zu mir meinten "ich habe alle 4 Hufe beschlagen/ich reite baumlos, hoffentlich verteufelst du mich nicht".

Nö wieso auch ?

Für mich gibt es nicht 

DEN einen (Baum)sattel der für alle Typen passt

DIE eine Hufbearbeitung die für alle geeignet ist 

DIE eine Haltung, in der alle Pferde gehalten werden müssen

DIE eine Fütterung die alle Pferde vertragen


Wenn wir mal Bedenken, dass das Pferd niemals zum reiten konstruiert war, müssen wir eben einige Kompromisse schließen. Wenn das ein Beschlag ist, weil unser Pferd eine Fehlstellung hat, die mit wiederkehrenden Weichteil-/oder Knochenproblemen einhergeht dann muss mein Pferd nicht barhuf laufen nur weil XY behauptet Beschlag wäre schlecht. Selbstverständlich schränkt ein Beschlag in gewisser Weise den Hufmechanismus ein (was sich auf Thermografiebildern schön zeigt). Aber ist es besser ein Pferd mit funktionierenden Hufmechanismus zu haben, das ständig Sehnenprobleme hat oder frühzeitig Arthrose bekommt und so Schmerzen hat? 

"Ich habe mein Pferd nicht eingedeckt weil XY sagt es sei schlecht" - super jetzt ist das Pferd total steif und hat eine ordentliche Entzündung an der Wirbelsäule.. aber Hauptsache die Thermoregulation.


"Mein Pferd nimmt stetig ab und schläft beim putzen ein und fällt dabei fast hin; aber in Facebook habe ich gelesen, dass Pferde nur in Offenstallhaltung gehalten werden sollen" - "Pseudonarkolepsie" aufgrund Schlafmangel weil er nicht in den Stall darf - ans Futter darf er auch nicht, Hauptsache Offenstall.


Ich finde es traurig wie sich das ganze entwickelt. Wenn ein Pferd sich im Offenstall mit 20 Pferden nicht wohl fühlt, sollte vielleicht eine kleinere Gruppe her ? Wenn das nicht funktioniert vielleicht doch eine (Paddock)Box mit täglichem, mehrstündigen Weidegang, dafür aber nicht das schickimicki reiterstübchen..? 

Wenn ein Pferd barhuf nicht laufen kann, weil es wenig Material schiebt und sich abläuft und so Lederhautentzündung bekommt, auf Schotter lahm geht und aus was für Gründen auch immer keine Hufschuhe in Frage kommen, wieso dann keinen fachgerechten Beschlag ?


Wieso lassen wir uns so von der großen Masse beeinflussen und schauen nicht individuell was das Pferd braucht ? Unsere Pferde sind alle keine Wildpferde mehr, werden geritten, gesprungen etc pp. Dafür waren sie nicht gemacht. Wieso also nicht auch "Extrawürste" ?


Für mich gilt -> So viel Natur wie möglich, so wenig Eingriff wie nötig.


Was nicht heißt dass ich alles gut heiße, vor allem wenn ich sehe dass es dem Pferd NICHT gut tut oder - bei Fakten - definitiv falsch ist.

Dinge die für mich z.B. gar nicht gehen sind und bleiben Dinge wie: Rollkur/Beizäumung, 24h Boxenknast, 2kg Heu pro Tag für 500kg Pferd, keine Hufbearbeitung/Zahnbehandlung (in der Natur brauchen die das auch nicht), grundsätzlich alle eindecken/beschlagen/aus Heunetzen füttern, "Therapeuten" die keine Ausbildung haben, am Pferd rum reißen oder Wirbel mit dem Gummihammer einrenken, künstliche Hilfsmittel die das Pferd zwingen den Rücken permanent aufzuwölben/in eine unphysiologische Haltung zwingen.....